Die erste Rose, eine kirschrote Verführerin,
brachte der Blumenverkäufer nachts in einer Bar.
„From Gentleman“, sagte er und zeigte zum Tresen hin,
wo einer saß, der ein lächelnder Latin Lover war.
Die zweite Rose pflückte ihr am Morgen
der Latin Lover aus dem Küchentischstrauß.
Bei Licht machten ihr seine Klammerarme Sorgen
– und sahen seine Lippen nicht flehend aus?
Täglich brachte er nun eine Rose,
wartete geduldig, hielt sie ihr hin.
Knallrote, lachsrote, blutrote fasste sie nur lose,
nach Romantik stand ihr nicht der Sinn.
Die letzte Rose, eine aus Plastik, brachte sie zur Polizei.
Dort drehte und wendete man das Dekostück.
Beinahe hopste sie nach Hause, beinahe fühlte sie sich frei,
gelangte aber nie vor die erste zurück.
Die Abschiedsrosen, weiße, legte ihr die Mutter auf den Sarg.
Der Latin Lover hatte sie mit dem Messer zerschlitzt.
Die Mutter, die ihr Entsetzen so gut es ging verbarg,
versuchte zu verzeihen – wem aber hätte das genützt?

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Dieses Gedicht stammt aus meiner Zeitschrift „MaMagazine – Ausgabe No. 01/2025“. Lies weitere Rezensionen, Kolumnen, Reportagen, Kurzgeschichten und Gedichte:
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Inhalt
- Reportage: Liebeserklärung an einen Musikkeller (Seite 2)
- Reisebericht aus Ghana: Solomons Bucht (Seite 6)
- Gedicht: Melancholie eines Kindes (Seite 13)
- Rezension: Drei Film- und Serientipps zur Einstimmung auf deine Australien-Reise (Seite 14)
- Kurzgeschichte: Wielander im Keller und auf dem Dach (Seite 16)
- Kolumne: Mein Schottenrock für Jürgens Frau (Seite 20)
- Reportage: Die Flip Flop-Fische von Airlie Beach (Seite 23)
- Reisebericht aus Albanien: Fest auf dem Boden stehen und wachsen (Seite 26)
- Rezension: Sich vorurteilsfrei auf die Netflix-Serie „Supersex“ einlassen (Seite 31)
- Gedicht: Rosenfolter (Seite 35)
- Kurzgeschichte: Matteo und der Zauberer (Seite 36)
Bild: Ylanite Koppens / Pixabay
