Gedicht: Melancholie eines Kindes

„Was hast du, bist du traurig?“, fragte sie das Kind,
„weil es regnet, da draußen, wo doch jetzt Ferien sind?“
Es nickte nicht, es schluckte nicht, es starrte an die Wand,
weil es keinen anderen, keinen stärk’ren Gegner fand.

„Du kannst es mir sagen, hast dich noch nie so benommen!“
Sie drängte es, zerrte an ihm, spürte die Ungeduld kommen.
Doch das Kind blieb stumm, ließ nur die Augäpfel gehen
auf der Tapete umher, um hinter die Maserung zu sehen.

„Was soll das?“, schrie sie, riss ihm sein Stofftier aus dem Schoß,
„Ich will dir doch helfen, aber ich muss jetzt wirklich los!“
Dann stampfte sie auf, aus ihren Augen flogen Tränen,
das Kind hob den Blick – und musste erstmal gähnen.

„Mama“, sprach es leise, „weißt du, die Welt?
Weißt du, was mir am besten an ihr gefällt?
Dass so viele runde Dinge darin sind:
die Tropfen, die Perlen, die Münzen. Und der Wind!“

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Dieses Gedicht stammt aus meiner Zeitschrift „MaMagazine – Ausgabe No. 01/2025“. Lies weitere Rezensionen, Kolumnen, Reportagen, Kurzgeschichten und Gedichte:

Inhalt

  • Reportage: Liebeserklärung an einen Musikkeller (Seite 2)
  • Reisebericht aus Ghana: Solomons Bucht (Seite 6)
  • Gedicht: Melancholie eines Kindes (Seite 13)
  • Rezension: Drei Film- und Serientipps zur Einstimmung auf deine Australien-Reise (Seite 14)
  • Kurzgeschichte: Wielander im Keller und auf dem Dach (Seite 16)
  • Kolumne: Mein Schottenrock für Jürgens Frau (Seite 20)
  • Reportage: Die Flip Flop-Fische von Airlie Beach (Seite 23)
  • Reisebericht aus Albanien: Fest auf dem Boden stehen und wachsen (Seite 26)
  • Rezension: Sich vorurteilsfrei auf die Netflix-Serie „Supersex“ einlassen (Seite 31)
  • Gedicht: Rosenfolter (Seite 35)
  • Kurzgeschichte: Matteo und der Zauberer (Seite 36)

Bild: PublicDomainPictures / Pixabay