Mit dem Van oder Wohnmobil um die Welt reisen und am liebsten nie mehr ins Hamsterrad des Alltags zurückkehren – immer mehr Menschen möchten so leben. Damit das aber nicht in Frust endet, muss das Zuhause auf Rädern optimal ausgebaut und ausgestattet sein.
Obwohl sie vorher keine Campingerfahrung hatten, haben Dominique, 47, und Christin, 42, im Jahr 2022 beschlossen, ein Wohnmobil zu kaufen. „Das war eine einfache Rechnung“, erinnert sich Dominique, „Wir wollten mit dem Rucksack reisen und mindestens zwei Jahre unterwegs sein. Doch selbst wenn man pro Nacht im Hostel oder AirBnB nur 60 Euro kalkuliert, was kaum noch realistisch ist, kommt man bei entsprechend langer Reisedauer mit einem eigenen Gefährt günstiger weg. Mindestansprüche an Hygiene und Komfort hat man schließlich auch.“
Die beiden hatten das Riesenglück, über einen Kumpel mitten in der Pandemie, als alle Welt die Leidenschaft fürs Camping wiederentdeckte, an ein gebrauchtes Wohnmobil zu kommen. Es hatte nur 3.000km auf dem Buckel – war aber für eine Familie ausgelegt. „Wir haben es erstmal umgerüstet. Das Hub-Bett fürs Kind kam raus, um Platz und Gewicht zu sparen.“ Unter anderem haben die beiden eine Fußraum- und Cockpitbeleuchtung eingebaut. „Beliebt bei Campern sind auch Leuchten, die den Gehweg erhellen, wenn man die Autotür öffnet.“
Aber auch kleinere Wohnmobil-Accessoires machen den Alltag auf Rädern leichter. „Wir haben eine Mini-WC Bürste gefunden, die perfekt zu unserer Campingtoilette passt“, verrät Christin. „So etwas bekommt man in der Drogerie nicht, da gibt es nur Standardgrößen für die große Toilette zu Hause.“ Auf was man nicht alles achten muss! „Ein richtiger Hype unter Campern ist aktuell ein Lüfter, mit dem man im Sommer warme Luft aus dem Fahrzeug nach draußen ableiten kann. Denn trotz Klimaanlage kann es im Wohnmobil unerträglich heiß werden“, weiß Dominique.
Eine Probereise durch Europa
Die erste Probereise führte das Paar durch Europa. „Wir wollten testen, ob wir es aushalten, 24 Stunden jeden Tag aufeinander zu hängen“, schmunzeln sie. Vier Monate später war klar: Es passt! Aber genauso klar war: Bevor es auf Fernreise geht, muss noch weiter am Wohnmobil gewerkelt werden. „Es war uns wichtig, so lange wie möglich autark stehen zu können.“ Das Paar erinnert sich an einen einsamen Traumstrand in Griechenland, der schwer zu finden war. „Da möchte man auch mal fünf Tage am Stück bleiben!“
Um unabhängig zu sein, benötigten die beiden ein Stromset mit Solartechnik und Wechselrichter, das dauerhafte 230-Volt-Spannung aus den Steckdosen ermöglicht. „Das ist kein Standard!“, sagt Dominique. Auch einen zusätzlichen Wassertank mit Filtertechnik haben sie verbaut. Zum Glück sind beide handwerklich versiert, Dominique ist sogar gelernter Maurer mit Meistertitel. Christin ist Krankenschwester von Beruf. Das hat auf Reisen auch schon geholfen, als Dominique von einer Biene gestochen wurde. „Er bekam einen allergischen Schock. Ich hatte zum Glück die richtigen Medikamente dabei“, lacht Christin.
Zusammenhalt wird großgeschrieben
Was sie handwerklich nicht selbst konnten, haben sie sich von Christins Vater zeigen lassen. Ihre DIY-Tipps geben Dominique und Christin auf ihrem YouTube-Kanal weiter. „Auch eine Anfängerfrage hat eine nette Antwort verdient“, sagt Christin. Sie findet es seltsam, dass die Nutzer im Internet oft so unfreundlich sind, obwohl Camper im echten Leben zusammenhalten.
„Man lernt viele Leute kennen, in jeder Altersspanne. Manche arbeiten ein Dreivierteljahr und reisen ein Vierteljahr. Bei Schwierigkeiten unterstützt man sich gegenseitig. Wir haben einem älteren Ehepaar geholfen, das Probleme mit seinem nagelneuen Wohnmobil hatte. Umgekehrt haben wir auch schonmal auf einem Parkplatz in Spanien gestanden und am Kühlergitter herumgeschraubt. Sofort hielt ein anderer deutscher Camper und fragte, ob wir Werkzeug brauchen.“
Auf zu neuen Abenteuern
Gerade wird das Wohnmobil von Dominique und Christin nach Amerika verschifft. Sechs Monate wollen sie die USA bereisen, dann Kanada. Danach soll es nach Mittelamerika gehen. Ihr Hauptziel ist es aber, eine neue Heimat zu finden. Einen Ort mit niedrigen Lebenshaltungskosten in einem warmen Land, an dem sie dauerhaft bleiben können. „In der Nähe des Meeres oder eines Sees möchten wir ein Grundstück pachten und ein Tiny House darauf stellen“, sagt Dominique. „Wir haben herausgefunden, dass wir keine 200qm brauchen, um glücklich zu sein.“
Wie sie auf 8qm eine gute Beziehung führen, wissen sie ja inzwischen auch. Oft entscheiden Kleinigkeiten wie praktische Helferlein für das Leben auf engem Raum darüber, ob der Reisetag entspannt mit einem Glas Wein im Sonnenuntergang oder im Streit endet. Christin empfiehlt eine Armlehnenerweiterung. Mit Gummilaschen wird sie zwischen den Armlehnen am Fahrer- und Beifahrersitz befestigt. So können beide während der Fahrt ihre Coffee to go-Becher und Handys ablegen – und dann die vorbeiziehende Landschaft genießen!
