Maik Plaster ist gelernter Programmierer und hat sich mit einer Firma für 3D-Druck selbstständig gemacht. Als Autodidakt in dieser Technologie kann er sich gut in Anfänger hineinversetzen. Wie man die Kosten für Druckprojekte niedrig hält und was man tut, wenn die Druckerdüse („Nozzle“) spinnt, erzählt er hier.
1987 stellte der US-amerikanische Physiker Chuck Hull den weltweit ersten 3D-Drucker vor, Mitte der 2000er Jahre kamen erschwingliche Geräte für Heimanwender auf den Markt. Doch auch heute noch stehen Einsteiger, selbst wenn sie technikaffin sind, mit vielen Fragen alleine da: Wie erstellt man einen G-Code, also den Druckbefehl, mit einer Slicing-Software? Was tun beim Druckstau?
„Unglaublich viele 3D-Drucker werden schon nach kürzester Zeit wieder zurückgegeben oder weiterverkauft, weil die Leute damit nicht zurechtkommen“, weiß Maik. So auch sein erstes Gerät, das er inclusive zwei Kilo Rohmaterial für 160 Euro über ein Kleinanzeigenportal gekauft hat. Es hatte nur acht Betriebsstunden auf dem Buckel.
Frustrierende erste Versuche
Auch für den gebürtigen Deutschen, der heute in Schweden lebt und schwedischer Staatsbürger ist, waren die ersten Versuche frustrierend. „Hinter meinem Einstieg in den 3D-Druck steckte zunächst rein persönliches Interesse. Wenn ich eine Frage hatte, bekam ich in den Foren entweder dumme Kommentare wie: ‚Wenn du nicht weißt, was du da tust, warum machst du es überhaupt?‘ oder den Tipp: ‚Google doch einfach‘. Doch wenn man die Fachbegriffe nicht kennt, findet man bei Google keine Antworten.“
Maik verlor den Mut trotzdem nicht. Er arbeitete sich ein, und als er wusste, wie’s läuft, gründete er seinen YouTube-Kanal. „Dort geht es darum, anderen zu helfen, den 3D-Druck besser zu verstehen und Lösungen für typische Probleme zu finden.“ Die Werbeeinnahmen spendet Maik an eine Falknerei in Tschechien, die er einmal im Jahr besucht.
Das wichtigste Anfängerzubehör
Es gibt vieles, was Anfänger erstmal lernen müssen. Wie lagert man zum Beispiel das Rohmaterial für den 3D-Druck, die so genannten Filamentrollen, richtig? „Sie sollten trocken und nach Möglichkeit vakuumverpackt aufbewahrt werden“, erklärt Maik. Dazu empfiehlt er Kompressionstüten, aus denen mit einem Staubsauger die Luft herausgesogen wird. Die Rollen mit dem thermoplastischen Kunststoff passen perfekt hinein.
Trotz sachgerecht gelagerter Filamente kann beim Drucken noch einiges schiefgehen. Da wäre zum Beispiel der gefürchtete Druckstau, bei dem im schlimmsten Fall teures Material verschwendet wird. „Abhilfe schafft hier ein kleines Bauteil, eine Zusatzerweiterung für den Extruder, in dem das Rohmaterial erhitzt und in die Druckerdrüse eingespeist wird“, verrät Maik. „Das kann man guten Gewissens online bestellen, wo es günstiger ist als im Fachgeschäft.“
An anderer Stelle rät er dagegen, sich beim Experten beraten zu lassen – die Kombination macht’s. „Bei sicherheitsrelevanten Komponenten wie der Stromquelle oder den LEDs zur Beleuchtung vertraue ich auf meinen Fachhändler vor Ort.“ Die LED-Leuchten setzt Maik in so genannte Lithophane-Lampen ein, die im Freundeskreis großen Anklang finden. Sie waren der Startschuss für Maik, um aus seinem Hobby 3D-Druck einen Beruf zu machen.
Die Lithophanie ist eine Technik, bei der eine weiße Platte aus lichtdurchlässigem Material von hinten beleuchtet wird, sodass ein lebensechtes, dreidimensionales Relief sichtbar wird. Für seine Frau hat Maik mit dem 3D-Drucker eine Nachtleuchte in Form eines Fuchkopfes produziert. Im dunklen Schlafzimmer verbreitet sie eine magische Atmosphäre. Nicht nur die roten Augen in dem lila getönten Tiergesicht, sondern auch das flammenartige Licht-Schatten-Spiel, das dahinter an der Wand entsteht!
Wenn man das bloß vorher gewusst hätte
Was Anfänger oft nicht wissen: Für ein gutes Ergebnis muss der 3D-Drucker hundertprozentig waagerecht ausgerichtet sein. Dann braucht man auch keine Hilfsmittel wie Haarspray, Prittstift oder Klebeband, damit die Druckerzeugnisse auf der Druckplatte haften. „Solche unsinnigen Tipps werden in vielen Foren verbreitet, dabei verklebt man sich damit die ganze Elektronik“, ärgert sich Maik. „Wenn man sich einen Tag Zeit nimmt, das Gerät gut auszurichten, gibt’s keine Probleme mehr.“
Maik ist überzeugt: „Mit den richtigen Tipps kann jeder 3D-drucken. Ich bin selber Legastheniker und nur neun Jahre zur Schule gegangen, und trotzdem stecke ich den Kopf nicht in den Sand“, sagt er. „Mein Motto lautet: Sage nie ‚Ich versuche‘, sondern immer ‚Ich mache‘. Denn wer nur versucht, der gibt zu schnell auf.“
